Präambel

Unsere heutige Gesellschaft ist äußerst komplex und befindet sich in einem rasanten Wandel. Gott scheint nicht mehr vor zu kommen. Es bilden sich immer wieder neue Milieus heraus, in denen es sowohl eine andere Sprache, andere Werte und Lebensstile gibt, die einander oft fremd sind. Zu manchen haben wir mehr Kontakt, zu anderen weniger oder kaum. Wir sind jedoch überzeugt, dass Gott in allen Kulturen und Milieus anwesend ist, uns ruft und herausfordert.

Wir sehen es als unsere Aufgabe, Schwestern bzw. Kommunitäten zu unterstützen, die sich in uns fremde Milieus hineinwagen. Als Gemeinschaft tragen wir diese Sendung mit und ermöglichen damit eine Vielfalt von Gemeinschaftsformen und Apostolaten.

Priorität geben wir dabei Menschen und Gruppierungen, die zu den Verlierern unserer heutigen Gesellschaft zählen. Um diesen Weg glaubwürdig gehen zu können, müssen wir uns von so manchen Selbstverständlichkeiten und Privilegien verabschieden.

Zu unserer Berufung gehört die gelebte Internationalität, ein Geben und Nehmen von Gleichen, woraufhin wir uns weiter sensibilisieren wollen. Da wir unterschiedlich geprägt und in verschiedenartigen Aufgaben tätig sind, brauchen wir mehrere Modelle des Gemeinschaftslebens. Eine jede Schwester soll einen ihr angemessenen Lebensraum haben. Wir brauchen den wechselseitigen Dialog und die Auseinandersetzung mit Menschen, die ebenfalls ihre christliche Berufung leben wollen und sich mit uns auf einen Weg machen. Hieraus können sich unter Umständen neue Gemeinschaftsformen entwickeln.

Unsere Mission heute wird wesentlich und zunehmend als engagierte Weg-Gefährtenschaft mit den verschiedenen Menschen und Gruppen gelebt werden müssen. Die heutige Gestalt der Kirche und des Ordenslebens ist in einem starken Umbruch, und vieles wird zugrunde gehen. Was bleibt, ist die Herausforderung, Jesus nachzufolgen. Neue Formen sind noch nicht bzw. nur in Ansätzen ersichtlich. Deshalb bedarf es als einzelne und als Gemeinschaften eines intensiven Hinhörens auf den Geist, der in den konkreten Realitäten zu uns spricht. Der Geist wird uns immer wieder helfen, unsere Prioritäten neu auszurichten.

In der heutigen Welt können wir nur dann überzeugende Ordensfrauen sein, wenn wir unser Leben aus der persönlichen Beziehung zu Jesus Christus gestalten. So wachsen wir dahin, dass das Evangelium zur bestimmenden Richtschnur unseres Lebens wird und sowohl uns als auch gesellschaftliche bzw. kommunitäre Sicherheiten hinterfragt.

Deko