Die Heilig-Geist-Kirche in St. GabrielBaugeschichte | Rundgang | Hauptaltar | Tabernakel | Marienbild | Fenster | Mosaike
St. Gabriel war als das zentrale Ausbildungshaus der Gesellschaft geplant, also mußte auch an eine entsprechend große und zweckdienliche Kirche gedacht werden. Zugleich sollte die Kirche nach dem Willen der beiden Brüder Arnold und Johannes Janssen ein monumentaler Dank an den Heiligen Geist sein dafür, daß er die Missionsgesellschaft in der kurzen Zeit seit ihrer Gründung so sichtbar gesegnet hatte. Bildergalerien: Rundgang durch die Kirche | Fenster I | Fenster II | Mosaike 1892 wurden die Baupläne bei der Bezirkshauptmannschaft Baden eingereicht. Ein junger Mitbruder, P. August Theisen SVD, hatte sie auf Wunsch der Oberen in neuromanischem Stil gezeichnet. Am 21. November 1892 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung und zu Pfingsten 1900 nahm der Missionsbischof Johann Baptist Anzer SVD die festliche Konsekration der Kirche vor.
In den Jahren 1912 bis 1914 wurden in einer zweiten Bauetappe drei weitere Joche des Langschiffes und die Türme errichtet. 1913 stand der Rohbau: 73,5 m lang, 37,4 m breit und 19,15 m hoch, die Türme messen 41 Meter. Sie bot 596 Sitzplätze und Stehplatz für weitere 2500 Personen. 1914 wurden die farbigen Fenster eingesetzt. Die Ausgestaltung war voll im Gang, stand ja das Silberjubiläum des Hauses bevor. Da brach der Erste Weltkrieg aus.
Zwischen den beiden Weltkriegen spielte die Kirchenmusik in der Heilig-Geist-Kirche eine große Rolle. Trotz der Not der Nachkriegsjahre ließ die Leitung des Hauses von der Firma Mauracher in Salzburg eine große elektropneumatische Orgel mit 66 Registern und 3 Werken errichten. P. Stanislaus Marusczyk SVD gründete als Ergänzung zum Männerchor des Hauses 1921 den bis heute bestehenden Chor der "Sängerknaben vom Wienerwald". Beliebt waren die Gottesdienste auch wegen des gepflegten gregorianischen Chorals der Theologenschola.
P. Fräbel vervollständigte die Einrichtung der Kirche. Er entwarf Orgelgehäuse und Beichtstühle, den Theresienaltar und die Kanzel - beide letzteren wurden 1979 abgebaut. Von ihm stammen auch die fünfflammigen Leuchter im Altarbereich.
Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges enteigneten die neuen Machthaber am 2. Mai 1941 das Missionshaus St. Gabriel. Kardinal Innitzer hatte kurz zuvor die Heilig-Geist-Kirche zur Pfarrkirche erhoben und mit den umliegenden Häusern eine kleine Pfarrei St. Gabriel errichtet, um die Kirche vor der Entweihung zu schützen. Der Pfarrer P. Josef Loidl und sein Kaplan P. Marusczyk, der den Sängerknabenchor weiterführte, leisteten gute Arbeit, und noch 1943 war die Kirche an Festtagen mit Gottesdienstbesuchern gefüllt. Im Juli 1944 zerstörten Bombenabwürfe die Fenster im Langhaus und im Querschiff. Unmittelbar nach dem Krieg, im Dezember 1945, wurde die Pfarrei St. Gabriel wieder aufgehoben, die Bombenschäden notdürftig repariert.
In den Jahren 1954 bis 1957 kam es zu einer eingehenden Renovierung. Die Kirche wurde ausgemalt, die zerstörten Fenster wurden erneuert, die provisorische Malerei in der Apsis ("Gottes Geist schwebt über den Wassern") durch ein Mosaik ersetzt. Mit dem zweiten Vatikanischen Konzil begann eine langwierige Suche nach einer geeigneten Neugestaltung der Kirche. Schon 1964 wurde der Hochaltar abgetragen, verschiedene Architekten lieferten Pläne. Architekt Johann Petermair vertraute man 1967 den Umbau der Krypta an. 1979 wagte St. Gabriel die gründliche Erneuerung der Kirche nach dem Grundkonzept von Architekt Dr. Heimo Widtmann (Graz), ausgeführt vom Grazer Architektenteam Edda Gellner, Fritz Neuhold und Professor Karl Raimund Lorenz.
Am 1. Adventssonntag 1980 eröffnete Kard. Franz König die renovierte Kirche mit der Weihe des Altares. Am 9. Mai 1982 wurde die neue Orgel in der Apsis eingeweiht, ein Werk der Firma Rieger aus Schwarzach in Vorarlberg. 1993 wurde die Gedenk- und Gebetsstätte zu Ehren der beiden Heiligen Arnold Janssen und Josef Freinademetz im hinteren Querschiff gesegnet.
Bei der Renovierung von 1979/80 lag die Grundidee der Neugestaltung in der Zentrierung des Raumes auf den Altar in der Vierung hin, der so wirklich die Mitte des Baues und der feiernden Gemeinde bildet. Die gesamte Vierung wird für die Altarinsel reserviert und bietet genügend Platz für die speziellen Erfordernisse einer Ordens- und Seminarkirche (Gelübdefeiern, Diakonen- und Priesterweihe), alle übrigen Raumteile sind dem Altar zugeordnet. Im Hochchor sind die Sitze der Konzelebranten plaziert, dahinter ist der Platz für Sängerchor und Musiker. Die neue Orgel bildet den räumlichen Abschluß. Das südliche Querschiff wurde als Sakraments- und Werktagskapelle adaptiert. Soweit möglich, wurden Gestaltungselemente von der ursprünglichen Ausstattung der Kirche verwendet.
1. Hauptaltar
Der Hauptaltar hat seinen Platz auf der Altarinsel. Der Altar ist aus verschiedenen alten Teilen zusammengesetzt. Seine Tischform entspricht dem Geheimnis der Eucharistie. Ambo und Gitter an den Stufen zum Hochchor entstammen der ursprünglichen Einrichtung. Der Sitz des Hauptzelebranten, ausgeführt nach einem Entwurf von P. Fräbel, war früher dem Bischof vorbehalten.
2. Tabernakel und Werktagskapelle
In der Apsis des südlichen Querschiffs, das zur Sakraments- und Werktagskapelle adaptiert wurde, steht der Tabernakel, angefertigt in Kevelaer. Die drei Ewig-Licht-Ampeln gehen auf Entwürfe von P. Fräbel zurück. Der kleine Altar ist aus alten Elementen gestaltet.
3. Marienbild
Das Bild "Unsere Liebe Frau vom Heiligen Geist" erhielt St. Gabriel von den bei der Gründung des Hauses äußerst hilfreichen Lazaristen geschenkt. Es soll einst dem 1780 von Josef II. aufgehobenen Wiener Oratorianerkloster gehört haben. Der Künstler ist unbekannt. Dieses seltene marianische Motiv findet sich noch im Wiener Volkskundemuseum, im Stift Rein und im Stift Seitenstetten. Bis in die fünfziger Jahre hatte das Bild seinen Platz im Inneren des Hauses. Bei der jüngsten Umgestaltung erhielt es die neue Fassung, einen vergoldeten Strahlenkranz. Der Baldachin ist der Schalldeckel der ehemaligen Kanzel.
4. Fußbodenmosaik im Hochchor
Das Mosaik aus Fliesen, das die Arche Noes und die fünf Weltteile darstellt, ist umrahmt vom Schriftband: "Geht und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!" An den vier Enden der Weltkarte finden sich die Symbole der Evangelisten. Die Festschrift von 1900 schreibt zu diesem Bild über die Aufgabe der Missionare: "Sie sollen alle in die heilige Kirche, die zweite rettende Arche, einführen." Hier legten Hunderte Mitglieder der Gemeinschaft ihre Gelübde ab, hier wurden die heiligen Weihen gespendet, und bei den Entsendungsfeiern der Missionare wurden über diesen Symbolen die Anfänge der vier Evangelien gesungen. Neben anderen Symbolen sind im Fußboden des Hochchores die Zeichen des Tierkreises und der Planeten dargestellt. Vor den Kapellen der Apsis sind Zahlen in den Boden eingelegt, die für die Geschichte des Hauses und der Gesellschaft von Bedeutung sind. Die roten Marmorsäulen in diesem Bereich stammen aus dem 1881 abgebrannten Wiener Ringtheater.
5. Apsismosaik
Das jetzige Mosaik der Apsis wurde 1957 angebracht: Gottes Geist inmitten der sieben Geister vor Gottes Thron (Tob 12, 5). In der Mitte steht Gabriel, der Überbringer der frohen Botschaft von der Menschwerdung Jesu. Zu seiner Linken - vom Betrachter aus gesehen - Michael mit Schwert und Seelenwaage, zur Rechten Raphael, der Begleiter der Wanderer, mit Stab und Fisch in der Hand, der dem blinden Tobit Heilung brachte. P. Albert Rohner SVD, der wesentlich an der theologischen Gestaltung dieses Mosaiks beteiligt war, deutet diese drei Engel als Sinnbilder der drei großen Erlösungsgaben: Michael als Überwindung des Bösen, Gabriel als Erleuchtung und Raphael als Heilung. Der Engel über Raphael gießt Feuer aus, jener über Michael Wassersymbole der Naturkräfte des Lebens.
Die ältesten Fenster der Kirche - sie haben den Zweiten Weltkrieg unbeschädigt überstanden - sind im Hochchor. Sie zeigen die vier Apostel Andreas, Petrus, Paulus und Johannes, die als Patrone der Gesellschaft angerufen werden. Die Fenster in den Kapellen der Apsis zeigen weitere Patrone der Steyler Missionsgesellschaft und eine Darstellung der neun Engelchöre. Diese Fenster wurden in Steyl und in St. Gabriel angefertigt. Alle übrigen Fenster - ebenfalls von eigenen Kräften hergestellt - fielen dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Die Entwürfe der neuen Fenster gestaltete Prof. E. Bauernfeind nach Ideen der Patres Albert Rohner und Johann Kraus.
Die Fenster der obersten Region des Gotteshauses weisen ganz auf den hin, dem es geweiht ist. So zeigen die dreigeteilten Fenster im Hochchor stellvertretend vier Charismen des Heiligen Geistes. Die entsprechenden Fenster im Langschiff veranschaulichen die Gaben des Heiligen Geistes. Zwölf Planzenmotive bezeichnen die Früchte des Geistes. Sechs Symbole weisen auf das Wirken des Geistes im Alten Bund hin: der brennende Dornbusch, glühende Kohle, die Harfe Davids, usw. Im Querschiff sind an dieser Stelle die Waffen des Geistes dargestellt, wie sie im Epheserbrief genannt werden.
Die Fenster im vorderen Querschiff: Das große Radfenster im nördlichen Teil des Querschiffes zeigt die sieben Gaben des Heiligen Geistes (nach Jes 11,2), das gegenüberliegende Rundfenster im Süden stellt die Symbole der sieben Sakramente dar.
Die Doppelbogenfenster im Querschiff zeigen heilige Missionare. Beginnend im Süden (beim Tabernakel), finden sich zuerst die Afrikamissionare Petrus Claver und Raimund Lullus, für Amerika stehen Jean de Brebeuf und Franz Solanus, Europa ist vertreten durch Rupert und Virgil. Auf der Nordseite erinnert das erste Fenster an die heiligen Brüder Cyrill und Method, die Missionare der Slawen. In Asien haben Petrus Perboyre (China) und Johannes de Britto (Indien) missioniert. Für Australien und Ozeanien stehen Petrus Chanel und Johannes Baptista, ein Missionar, der in Japan Märtyrer wurde. Über all diesen Fenstern finden sich - ebenso wie über den entsprechenden Fenstern im Langschiff - lauter verschiedene Kreuzesdarstellungen.
Die Fenster im Langschiff: Die Fenster im unteren Bereich sind den acht Seligpreisungen gewidmet. Bei der Reihung nahm man Rücksicht auf die Heiligen, denen die vier Seitenaltäre geweiht sind. Das hat zur Folge, daß die Seligpreisungen nicht in der biblischen Reihenfolge (Mt 5,1 - 12) geordnet sind. Das Fenster über dem vorderen südlichen Seitenaltar zeigt zur Textstelle "Selig die Hungernden nach Gerechtigkeit" Franz Xaver und die kleine Theresia, die Patrone der Weltmission. Für die Seligpreisung "Selig die Sanftmütigen" stehen Gertrud die Große und Bernhard von Clairvaux. Caecilia und Bonifatius sind der Verszeile "Selig die Verfolgten" zugeordnet. Hildegard von Bingen und Albert der Große wurden als Vertreter der Friedensstifter ausgewählt.
Auf der nördlichen Seite vertreten Augustinus und seine Mutter Monika die Seligpreisung "Selig die Trauernden". Für "Selig die Armen" hat man Franz von Assisi und Klara ausgewählt. Elisabeth von Thüringen und Vinzenz von Paul sind Patrone der Barmherzigkeit. "Selig die Herzensreinen" - dafür stehen Thomas von Aquin und Theresia von Avila.
Die Rundfenster auf der Empore im Langschiff zeigen im Süden die leiblichen und im Norden die geistlichen Werke der Barmherzigkeit. Durch die große Rosette über dem Hauptportal, in deren Zentrum das Symbol der Dreifaltigkeit und die Taube stehen, fällt kurz vor Sonnenuntergang volles, warmes Licht in die Kirche und läßt sie noch einmal in ihrer ganzen Schönheit erstrahlen.
Im Zuge der jüngsten Renovierung ist in St. Gabriel wieder eine Mosaikwerkstatt entstanden. Vor allem die Brüder Bernhard Fembek und Fritz Tremp haben im vorderen Teil der Kirche zerstörte und fehlende Stücke ergänzt. Im hinteren Teil der Kirche wurden bisher vor allem die Bogenfelder über den Portalen mit Mosaikarbeiten ausgefüllt. Die Entwürfe gestaltete Prof. Hermann Bauch sen. nach Ideen von Mitbrüdern. Das Bogenfeld über dem hinteren südlichen Portal zeigt außen ein Buch und einen Kelch, Symbole, die hinweisen auf die vornehmsten Aufgaben, für die die Kirche errichtet wurde: Verkündigung des Wortes Gottes und Feier der Eucharistie. Über dem gegenüberliegenden Portal steht innen das österliche Siegeslamm. Diese Tür wird in der Osternacht benutzt, durch sie zieht die feiernde Gemeinde mit der brennenden Osterkerze vom Osterfeuer in die finstere Kirche. Über der äußeren Tür sieht man den brennenden Dornbusch. Er weist auf Christus hin, der durch den Tod hindurch Sieger geworden ist.
Das Tympanon des Hauptportales zeigt innen das "himmlische Jerusalem", wie es im 21. Kapitel der Offenbarung des Johannes beschrieben ist. Inmitten der himmlischen Stadt leuchten die Türme von St. Gabriel auf. Sie stehen stellvertretend für all das, was in und durch St. Gabriel an Arbeit im Sinne Gottes geschehen ist und geschieht. Durch dieses Portal zieht die Klostergemeinschaft bei Prozessionen und dann, wenn sie einen Mitbruder zum Friedhof geleitet. Beide Male soll vor Augen stehen, was das eigentliche Ziel unseres Unterwegsseins ist: daß all das Tun der Gemeinschaft an dieser kommenden Stadt des Friedens baut. Über der Außentüre grüßt der auf den Wolken des Himmels wiederkehrende Christus.
Die Mosaike an den Außenwänden des vorderen Querschiffes fassen die großen Rundfenster ein. Sie zeigen im Süden die Symbole der vier Evangelisten mit den Textanfängen der jeweiligen Evangelien, die nördlichen Mosaike stellen Allegorien der vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft mit kurzen Aufrufen zum Gotteslob dar. Sie wurden schon während der ersten Bauphase (bis 1900) nach Entwürfen der Firma Neuhauser, Innsbruck, gelegt.
Unter dem Hochchor befindet sich die Krypta. Sie ist ein schlichter Raum mit wuchtigen Säulen, Monolithen aus einem Steinbruch in der Nähe von Baden. Dieser Raum wird vor allem im Winter für die Gottesdienste genutzt.
|