Stadt Gottes März 2010
|
|
Fasten
Liebe Leserinnen und Leser, Fasten ist kein Ego-Trip Zugegeben: Ich habe ein Problem mit der Fastenzeit. Nicht, dass mir ein paar Kilo weniger guttun würden; und schaden würde es mir auch nicht, auf das ein oder andere Glas Rotwein zu verzichten. Aber eben darum geht's mir auch nicht. Um was es mir geht: Die Fastenzeit sollte mehr sein als eine Wellness-Veranstaltung. Und auch mehr als ein heroischer Akt: Super, ich hab's wieder geschafft und meinen inneren Schweinehund überwunden! Was bin ich doch für ein toller Kerl! Wenn ich so die sieben Wochenvor Ostern begehenwürde, dann betriebe ich einen reinenEgo-Trip. Ich kreise um mich selbst - und was um mich herum passiert, interessiert mich derzwit herzlich wenig. Bitte, ich hab' genug mit mir und meinem Verzicht zu tun. Nein, die Fastenzeit ist kein Selbstzweck und auch keine Einladung zur Nabelschau. Sie will anregen, Körper und Geist zu entmüllen - um frei zu werden. Um hellhörig zu werden. Für mich, und dann für andere. Dafür muss ich still werden. Das geht nicht, wenn ich meinen Organismus vollstopfe und ihn stundenlang mit Verdauungsarbeit beschäftige. Oder mein Hirn zukleistere zum Beispiel mit hemmungslosem Fernseh-Konsum. Wenn Körper und Geist zur Ruhe gekommen sind, dann kann sich das Herz öffnen: für die Not anderer (und die muss nicht immer eine materielle sein!), für die Solidarität mit ihnen. Aber kann diese Einstellung zum Leben an sieben Wochen gebunden sein? Muss das nicht ein Gruntenor meines Lebens sein? Wach zu sein für andere? Die Fastenzeit kann ein Anstoss dazu sein. Und sie macht nur Sinn, wenn sie am Ostersonntag nicht aufhört. Herzlich Ihr Albert Herchenbach
|